Was sind… Dauerausstellungen?

In den meisten Fällen verfügen Institutionen, die das Label „Museum“ für sich beanspruchen über eine eigene Sammlung, die den Grundstock und Zeugnis über den historischen Ursprung des Hauses ablegt. Zwar existieren auch Museen, die ohne wirkliche eigene Sammlung auskommen und die sich entsprechend auf Sonderausstellungen konzentrieren, doch an dieser Stelle soll es um die Besonderheit von Dauerausstellungen gehen.

Der Begriff selbst bedarf nicht umfassender Erläuterungen. Sie ist die Konstante in der Präsentation und definiert idealerweise die allgemeine Ausrichtung des Museums. In ihr finden sich die wichtigen Inhalte zum Thema möglichst umfassend und offen präsentiert. Und genau an diesem Punkt kann es zu Komplikationen kommen. Denn mit „Dauer“ kann keinesfalls eine Präsentation ohne Ablaufdatum verstanden werden! Zwar gibt es sehr glückende Beispiele, die selbst nach 10/15 Jahren ständigen Besucherbetriebs noch passabel aussehen und funktionieren. Das ist aber keineswegs der Normalfall. Da Museen in vielerlei Hinsicht ein gesellschaftliches/technologisches Entwicklungsmedium sind, ist das berühmt-berüchtigte Aus-der-Mode-kommen gewissermaßen in ihre DNA geschrieben. Beispiel finde Sie hier und hier.

1. Aktualität des Präsentierten

Vor allem, aber nicht nur den Stadtmuseen kommt igendwann vor allem die jüngere Vergangenheit mit ihren interessanten Gegenwartsbezügen, Zeitzeugenerzählungen und -Geschichten abhanden. Auch ein naturwissenschaftliches Haus macht über die Jahre Entwicklungen, nicht zuletzt aufgrund neuer Erkenntnisse und Perspektiven, durch. Neue gesellschaftliche Schwerpunkte (gender studies, global studies, …) fordern neue Herangehensweisen, eventuell ändert sich das Publikum, Wissen geht verloren. Die Schwierigkeit besteht natürlich in der Feststellung wann dieser Punkt erreicht ist – und die Bereitschaft zur Einsicht.

Hinzukommt, dass Besucherfeedback, welches ein logischer Ausgangspunkt für entsprechende Überlegungen wäre, nur sehr bedingt als Gradmesser der Veränderungswünsche herangezogen werden kann, da das breite Publikum gerade im Museum erwartet/(erwarten darf?), dass die Aufgabe wissenschaftlicher Aufarbeitung hier geleistet wird. Wird schließlich mit einem frischen Blick ein Konzept erstellt, machen sich sofort die Rückkopplungen eigentlich nur kleiner Veränderungen bemerkbar. So ist fast nie der Luxus freier und integrierbarer Räumlichkeiten gegeben und schnell ergeben sich überall neue Fragen. Kommt es hier nicht zur Auseinandersetzung, sieht die begrüßenswerte Ambition Neues aufzunehmen ganz schnell nach Flickwerk aus. Im schlechtesten Fall stellt sich dem Besucher dann auch gleich die Frage warum der Rest der Ausstellung derartig abfällt.

2. Die betriebliche Dimension

Auch bezüglich der internen Vorgänge darf die Herausforderung nicht unterschätzt werden. Zwar gibt es vor allem in den letzten Jahren vermehrt Anzeiche für eine organisatorische Veränderung, meist ist aber immernoch unklar wem im Haus diese Aufgabe zukommt. Im Extrem zeigt sich das bei kleinen und mittleren Häusern, die nach Tagesgeschäft und dem Setzen von Highlights in Form von Sonderausstellungen die Überarbeitung ihres „Erbes“ oft als zusätzliche Last empfinden. Zum Teil wird dem vor allem in größeren Häusern durch die Bildung dezidierte Abteilungen und Projektteam entsprochen, die Regel ist dies jedoch bei Weitem nicht. Und selbst wenn diese bestehen, kann dies oft der Beginn eines sehr langen Prozesses sein. Seltene Beispiele von Komplettüberarbeitungen sind die Ausnahme von der Regel, dass die betriebliche Dimension vor allem intern als entflohener Geist aus der Flasche empfunden wird.

3. Technik und Gestaltung

Die dritte Herausforderung möchte ich hier ausnahmsweise gemeinsam als Gesamt-Kategorie von Technik und Gestaltung und damit der erlebten Zugänglichkeit behandeln. Beide geben dem Besucher die Möglichkeit auf unkomplizierte, übersichtliche und hoffentlich auch spielerisch-dynamische Weise Zugang zum Inhalt zu erreichen. Und hier liegt auch schon das Problem. Auf der einen Seite ist es natürlich wünschenswert, dass neue Formen der Vermittlung aufgegriffen und in die Ausstellung interessante neue Akzente bekommt. Bei Lichte betrachtet verbirgt sich daran jedoch die Gefahr eines ästhetischen Bruchs („Flickenteppich“). Hinzukommt dann die Frage der Wartung und Kompatibilität von Geräten verschiedener Generationen. Zudem wird oft erst nach der Aktualisierung eines Ausstellungsteils die scharfe Notwendigkeit zur konsequenten Weiterführung deutlich und entsprechend stockend verläuft der weitere Prozess.

Neben diesen professionellen Ansprüchen sind es natürlich schlichte Rahmenbedingungen und Restriktionen, die kühnen Träumen einen Riegel vorschieben können. In allererster Linie sind das natürlich finanzielle Limits, die meist nicht das Vorhaben im Kern infrage stellen, aber doch oft die Motivation und Planungssicherheit für zukünftige Überlegungen stark beeinflußen.

„Das machen wir nie wieder so!“ „Das war die Mühe nicht wert!“

Bildschirm einer veralteten Medienstation
das Thema 'Migration' im Gewand einer veralterten Medienstation

4. Arbeitsalltag

Nicht zu unterschätzen ist auch die Abstimmung des Arbeitsalltags eines Hauses bzw. die dann anstehende Veränderung, die sich an der Dauerausstellung ausrichtet. Einige Jahre nach der Eröffnung stellt sich ein anderer Gestus/Modus der Vermittlung ein, weiß man um die Möglichkeiten und Beschränkungen in den Räumlichkeiten, sind die Exponate alle an Ort und Stelle. Und auch organisatorisch weiß im besten Fall jeder was zu tun ist. Schon dies ist oft ein langwieriger Prozess. ein Prozess, der die Ambitionen zu großen Veränderungen erstens klein hält sowie zweitens konkrete Ziele braucht, die erstmal neben dem Tagesgeschäft eines Leiters, Kurators, Restaurators… artikuliert und abgestimmt werden müssen.

Vor allem (aber nicht nur!) diese Punkte sind Gründe dafür, dass sich Veränderungen im Bereich einer Dauerausstellung oft nur sehr zäh umsetzen lassen. Kräftezehrend stellt der Prozess den Museen viele unangehme Fragen, die von der Selbstwahrnehmung als Kulturinstitution über die Vermittlungsziele bis hin zu Wirtschaftlichkeitsanalysen reichen. Andere Häuser mag es wieder härter treffen, dass sie sich nach Jahren des Aufschubs mit einer grundlegenden Modernisierung der technischen Infrastruktur (Stichwort: Internet, Social Media) auseinandersetzen müssen.

Blick auf eine Präsentation von Telefonen im Museum für Kommunikation
Technik im Museum - Hier: Museum für Kommunikation Frankfurt

Sebastian Wehrstedt

Beispiele für Dauerausstellungen, die der Herausforderung einer Dauerausstellung und ihre Aktualisierung, finden Sie hier.