Operation „Upshot Knothole“, 1953

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sich für die USA und ihre Verbündeten bald die Frage wie der Krieg der Zukunft aussehen würde. Zwar schien angesichts von Hiroshima und Nagasaki klar, dass dieser mit Atomwaffen ausgefochten würde. Im Zuge der ersten erfolgreichen Tests auf sowjetischer Seite war die befürchtete technologische Waffengleicheit jedoch schon sehr früh (1949) gegeben. Doch wie konnte es nun weitergehen?
In die frühen 1950er Jahre und damit mitten in die Phase der „Atom-Begeisterung“ von Militär und Zivilgesellschaft fiel Operation „Upshot Knothole“. Hinter dem Begriff  stand eine Testserie von Atomwaffen, die auf der Nevada Test Site durchgeführt wurde. Insgesamt 11 Bomben wurden getestet, sieben davon bodennah, drei wurden von Flugzeugen abgeworfen. Ein Test stach, zumindest mit heutigen Augen betrachtet, hervor. Denn erstmals wurde eine nukleare Artilleriegranate getestet, die von einem Geschütz gefeuert wurde. Am 25. Mai 1953 um 15:30 Uhr wurde diese gezündet. Knappe 19 Sekunden später ereignete sich eine Explosion in 11 Kilometern Entfernung, die in etwa „Little Boy“, der Bombe, die einst auf Hiroshima gefallen war, entsprach. Gleichwohl der Test selbst, durchgeführt zur Weiterentwicklung des eigenen Anti-Atom-Arsenals im Fall eines sowjetischen Angriffs, in seinen zahlreichen Details schon interessant wäre, möchte auf den weiterführenden Zweck hinweisen.
Wie bei anderen Testreihen wurden zahlreiche Messinstrumente, Schafe und andere Tiere im Zielbereich deponiert, um die verheerenden Auswirkungen der Detonationswelle sowie der Strahlung einschätzen zu können. Dies hatte aber auch eine operative Dimension, da es für die amerikanischen Streitkräfte herauszufinden galt, in welchen Szenarien Atomsprengköpfe eingesetzt werden konnten. Die Auswirkungen auf ausgehobene Feldstellungen, Gebäude und Fahrzeuge rückten also mehr in den Fokus. Im Verlauf der 50er Jahre wurden die Auswirkungen eines Atomschlages, nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Tests, um einiges feiner bewertet als zuvor. Hatte man anfangs vor allem zwischen Erfolg und Misserfolg unterschieden, spielten die Druckwelle, Strahlung und Explosionsradius bald jeweils eigene Rollen.

Ein großer Teil vor allem des frühen Film-Materials zu den Tests ist inzwischen frei verfügbar. Vor allem die Bestände der verschiedenen Archive und Ministerien sind hier zu empfehlen.

Anbei ein Bericht zu Operation „Upshot Knothole“, . Es lohnt, sich diesen ganz anzuschauen! Der Marker ist an der relevanten Stelle gesetzt.

Eins der Geschütze heute

Kontext

Wie heute frei zugängliche Dokumente zeigen, planten die USA ab den späten 1940er Jahren nicht mehr nur eine Reaktion auf die veränderte militärische Lage, sondern auch zunehmend in Zusammenarbeit mit ihren (europäischen) Verbündeten Aktionen, um die Initiative wiederzuerlangen. Dazu gehörte, dass spätestens ab 1950 klar über Präventivkriege nachgedacht und diese geplant wurden. Minutiös führten die in diesem Zusammenhang entstehenden Protokolle die Ziele für Luftwaffe, Heer und Atomeinsätze auf. Schwierig war dabei, dass kaum absehbar schien wie der kommunistische Block sich auf einen Krieg vorbereitete. Es gab Gründe dafür, bei einem einem sowjetischen Angriff mit konventionellen Waffen von einem Erfolg auszugehen. Kaum wäre der Vormarsch im Herzen Europas gänzlich zu stoppen gewesen. Ein Horror-Szenario für das US-Militär. Und Anlass für die Suche nach Lösungen – und Notlösungen.
Eine entsprechend große Rolle kam also Tests wie Operation „Upshot Knothole“ zu. Hier konnten Aufwand und Risiko eines Einsatzes abgewogen werden. Und sie sollte keine kuriose Einzelerscheinung bleiben.

Andere Projekte

Denn bald lief die Entwicklung weiterer taktischer Atom-Waffen an. „Blue Peacock“ etwa wurde auf britischer Seite entwickelt. Sieben Tonnen schwere und versteckt deponierte Ladungen mit Atomsprengköpfen sollten vorrückende sowjetische Truppen im Falle eines Angriffs vernichten. Eine Strategie, die geradezu zynisch an die „Verbrannte Erde“-Aktionen zum Ende des Zweiten Weltkrieges denken lässt. Unvergleichlich wirkungsvoll wären solche Waffen jedoch in jedem Fall gewesen, da sie weniger für den unmittelbaren Moment gedacht waren, wie man wohl vermuten mag. sondern mit 48-stündiger Verzögerung zur Explosion gebracht ebenso alles zerstören sollte, was sich an feindlicher Infrastruktur zu bilden begann.
In Reaktion auf solche Planungen begann man aufseiten des Warschauer Pakts mit der Entwicklung von konventionellen Panzern, die auch im Fall eines Atomkrieges einsetzbar gewesen wären. Ihre Entwicklung wurde eingestellt, als sich herausstellte, dass die entsprechenden Monster kau mobil gewesen wären. Erst um 1960 begannen die Visionen, die bis hin zu Atom-Granaten kleineren Stils gereicht hatten, zu versiegen.
Die Auswirkungen waren der Bestrebungen vom taktischen Einsatz von Atomwaffen waren unterschiedlich. Einige Projekte, wir die eben genannten, verliefen im Sand. Andere, wie „Atomic Annie“ wurden für einige Jahre in Westeuropa und Korea stationiert, kamen jedoch nie zum Einsatz. Im Jahr 1963 wurden sie außer Dienst gestellt, da die die Entwicklung anderer Technologien, vor allem der Raketenträgersysteme, den hohen Aufwand für derart unbewegliche Systeme immer mehr infrage stellte.

Blue Peacock - eine "Atom-Mine"