„Uncanny, 2015“

„Uncanny“ aus dem Jahr 2015 setzt, ähnlich wie „Ex Machina“, bei der Idee eines täuschend echten Replikanten an. Entlassen aus 7jähriger Isolation der Entwicklung wird  „Adam“ Joy, einer IT-Journalistin vorgestellt. Von Beginn zeigt er Einsicht, unsichere Empathie und logisches Kalkül. Doch der Anspruch seines Erschaffers David ist höher. Während er die Künstliche Intelligenz der Vergangenheit vor allem als spielerischen Counter-Part zu menschlichen Fähigkeiten versteht, sieht er die persönliche Herausforderung auf gänzlichem unerforschtem Gebiet: Der Schaffung identischer, künstlicher und zudem autonomer Systeme. Im Extrem möchte er nicht nur eine optische Annäherung, auch die habituell-sozialen Aspekte von direkter Interaktion  hat er im Blick. Adam kann, aus sozialen Gründen, essen.  Er lernt im Gespräch. Lediglich die Sichtbarkeit des Denkens, ausdrückt durch ein kurzes Innehalten, scheint Adam als „anders“ zu enttarnen.

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David, der Entwickler
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Joy, die Journalistin

Aus seinen Fähigkeiten beziehungsweise deren Entwicklungspotenzial entspringt bald auch der Grundkonflikt des Filmes. Ein Konflikt, der Adam durch die Art und Weise der Schilderung jedoch für den Zuschauer leider innerhalb weniger Minuten zur obsessiv-kalkulierenden Maschine macht: Er beginnt sich mit dem Konzepten der Sexualität und Emotion auseinanderzusetzen um Joy näherzukommen. Damit überspringt der Film erstaunlicherweise den interessanten Aspekt des Selbstbewusstseins, welches nun einfach selbstverständlich ist – ein sozialer Fokus bildet sich heraus, bei dem wir Adam auch als soziopathischen Menschen  verstehen können. Daraus resultiert, dass sich beim Zuschauer eine entsprechend negative Einstellung ihm gegenüber einstellt. Zwar wird die Analogie frühkindlicher Entwicklung angedeutet („Vielleicht erleben wir gerade wie er sich entwickelt.“), intellektuell wird er jedoch dargestellt als Asperger-Patient, Übersprunghandlungen inklusive. Das ist ziemlich genau der Moment in dem man als Zuschauer beginnt die eigenen Erwartungen und Hoffnungen gegenüber dem Film zu verabschieden.

Doch: „Uncanny“ hält einen Twist bereit: den Rollentausch. Tatsächlich handelt es sich nämlich bei David um die künstliche Lebensform und John den Menschen. Das ist aber nur kurz interessant, denn inhaltlich merkt man an diesem Punkt dem Film die Anlage als leicht konsumierbarer Pop-Kulturmasse stark an. Angenehm fügt sich im Drehbuch nun Adams autistische Veranlagung in die Geschichte vom genialen, aber abgeschotteten Erfinder. In weiblicher Faszination und im Kräftefeld zwischen zwei maskulinen Identifikationsfiguren werden bei Joy die eigene Ambition und darauf ihre Emotionen angesprochen – und sie hält zum bebrillten, begabten, aber stets kaum anerkannten David . Als Zuschauer erlebt man die sehr begabte Programmierin/Journalistin eigentlich nur als hin- und hergerissen zwischen zwei Männern. Das ist schwach und lässt „Uncanny“  ab Filmmitte gänzlich auf die Brisanz einer Folge von „The Big-Bang-Theory“ mit einer leichten Brise Science-Fiction-Ernst zusammenschrumpfen. Natürlich versucht David mit ihr zu fliehen.  Natürlich muss dies scheitern. In der anstregendsten und langweiligsten Szene des Filmes führt Adam, der Entwickler mit unkalren Absichten seine Motive aus. Dabei bleibt vollkommen unklar, warum er kein Interesse mehr an Joy hat, ledglich der Schmerz, dass sie sich hat täuschen lassen, steht nebulös im Raum.

Spoiler/Ende:

Zu den letzten Bildern gehört (leider) der Anblick eines poitiven Schwangerschaftstests. Damit überspannt der Film nun komplett den Bogen, da wir uns als Zuschauer zwischen einer kranken Phantasie und einer letztlich sehr unplaubsiblen Entwicklung endscheiden können. Damit ist zuletzt auch noch die größte denkbare Dimension (synthetische Reproduktion) des Themas angesprochen – etwas, das weit über den Horizont des Filmes reicht. Zugleich ist diese Schwäche aber Indiz dafür was Autor und Regisseur als Höhepunkt verstehen. Da gehört es nur zum guten Ton, dass wir zuletzt erfahren, dass „David“ entwickelt worden ist für den unauffälligen Überwachungs-Einsatz. Keine kleinen Brötchen indeed. Und opportunistisch noch dazu. Dass hier hier ein gesellschaftlich relevantes Thema auch innerhalb des Film-Universums behandelt wird, geht vollkommen unter. Schließlich kann Joy aufgrund der Verletztung von Vertragsbedinungen kaum über das Geschehene reden… Ein „laues“ Argmument für eine in sich geschlossene Handlung!

Zusammenfassung: Als Geschichte ist „Uncanny“ leider sehr durchschaubar und entwickelt keinen wirklichen Sog. Das unbestimmte Wandern des Schwerpunktes ist ermüdend und reißt keine interessante Frage konsequent auf. Lediglich die wenigen Minuten in denen der Zuschauer erst die stumpfe Seite eines einsamen Menschen und gleich darauf die gelernte soziale Bindung der Maschine an Joy kennenlernt, spielt auf einen interessanten Aspekt an. Auch dass deswegen auf die üblichen (optischen) Merkmale einer Grundendscheidung und damit eine Beruhigung des Zuschauers verzichtet wird, ist ein Plus.

Das Motiv für die Erschaffung eines künstlichen Menschen und die damit angerissenen Fragen bleiben allerdings im Dunkel. Der Erzählgestus legt sogar nahe, dass ähnlich herzzerreissende Emotions-Episoden (unter Menschen!) wohl recht häufig vorkommen. Das passt sich jedoch ohne weitere Erläuterung nicht in den Film ein. Entsprechend ist es passend, dass David zwar als selbstbewusstes und intelligentes Wesen beschrieben wird, aber am Ende mit frischer Festplatte und Maschinen-Talk („I am at your service“) auch den letzten Rest an Unklarheit, der zurückbleiben könnte, zur Seite schiebt.

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Adam, das (angebliche) Produkt

Einordnung in die Welt des Roboter-Filmes:

Auch wenn der Film keine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem Motiv des ununterscheidbaren Replikanten liefert, ist das Thema fast schon klassich. Seit der technologischen Morgendämmerung in den 1960er Jahren schwingt die Frage nach dem Umgang mit einer Maschine in Menschenform mit. Hatten sich die Themen der künstlichen Intelligenz (Selbstbewusstsein/Geist) und der Robotik (also des Körpers) lange Zeit seperat voneinander entwickelt, schließt „Uncanny“ an die Tradition der späten 80er Jahre an. Eine Zukunft mit intelligenten Wesen, die wie Menschen aussehen, scheint, wenn nicht erwartbar so doch mindestens konkret vorstellbar. Und das Scheitern von Kommunikation ist vorprogrammiert. Wie in seinen Vorbildern „Blade Runner“ oder „Alien“ wird dieses Motiv, dass sich eigentlich sehr konkret behandeln ließe, aber entlastet durch die dunklen Absichten einer übergeordneten, wenig kontrollierbaren Macht. Während das in den beiden genannten Vorbildern allerdings wunderbar funktioniert, weil es Bestandteil einer ganzen Welt ist, die der Zuschauer kennenlernt, lenkt es bei „Uncanny“ schlicht vom Thema ab.Und das obwohl es nur um 3 Personen geht.

Eigentlich könnte es um die menschliche Angst mit etwas konfrontiert zu sein, dass aufgrund seines Verhaltens und Aussehens genug Sympathie zulässt um es als Lebewesen zu erkennen, das aber zugleich aufgrund eines Makels – etwa dem Fehlen von (sichtbaren) Gefühlen – schnell eine unbestimmte Verunsicherung erzeugt, gehen. Das wird zwar angedeutet mit den autistischen Zügen des Entwicklers und dem sozialen Verhalten von David, wird aber zu schnell übergangen. In seiner besseren Version hätte „Uncanny“ auf die Parallele der Angst vor dem Scheitern menschlicher und künstlicher Kommunikation hingewiesen. Im Gegensatz zu „Ex Machina“ aus dem gleichen Jahr wird hier der künstlichen Lebensform nur die Möglichkeit der Kommunikation und Adaption zugestanden. Ob das gut oder schlecht ist bzw. welches Maß an Autonomie verkraftbar und/oder wünschenswert wäre, bleibt eine unbehandelte Frage. Die Kommunikation scheitert langweilig jenseits eines interessanten Konfliktes.