Robot and Frank, 2012

Robot and Frank, 2012

Robot und Frank“ gehörte 2012 zu den kleinen Überraschungserfolgen im Kino. In einer Mischung aus Unterhaltung und traurigen Zwischentönen zeigt der Film den Lebensabend von Frank, einem alternden Meisterdieb, der bereits mit den Tücken der Vergesslichkeit und körperlicher Gebrechlichkeit zu kämpfen hat. Um dies auszugleichen und um seinen Vater zu unterstützen, besorgt sein Sohn Hunter einen Haushaltsroboter. Das Modell „VGC-60L“, das er schließlich präsentiert, besitzt in etwa die Größe und den Körperbau eines 10 Jährigen – und verhält sich auch entsprechend.

Nachdem sich die erste aufgeregte Ablehnung gegenüber „VGC-60L“ gelegt hat, sind beide bald unzertrennlich. Robot lässt sich durch Frank zum Diebstahl verleiten und hilft ihm auch für seine große Liebe das offensichtlich Richtige zu tun. Gegen Ende zeichnet der Film das Bild eines wenn auch gebrechlichen so doch zufriedenen Mannes, der mit sich und er Vergangenheit im Reinen ist.

Als filmisches Werk ist „Robot und Frank“ in der Darstellung seiner Geschichte ungefährlich-leichte, bisweilen langweilige Kost. Und doch arbeitet er sich parallel an einigen interessanten Aspekten des Roboter-Mensch-Verhältnisses ab. An vielen kleinen Punkten wird deutlich, dass er kein zusammengewürfeltes  Zufallsprodukt oder nur strikt auf den Massengeschmack hin konzipiert wurde. Vielmehr ist „Robot“ die Verkörperung der derzeitigen Forschung und Entwicklung seiner realen „Brüder“ – und zeigt dem Zuschauer eine nicht ganz so ferne Zukunft. Eine, die plausibel scheint. Anders als bei vielen Science-Fiction-Filmen kann der Zuschauer hier also entspannt auf die technologische Morgendämmerung schauen.

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VGC - 60L

Dies lässt sich an verschiedenen Punkten festmachen: Da wäre zunächst sein Körper. Anders als in vergeichbaren Filmen, die sich mit robotischen Helfern auseinandersetzten, kommt „Robot“ seinem menschlichen Gegenüber optisch ziemlich nah ohne dabei den Sprung zu einer krassen optischen Angleichung zu gehen, die für einen Science-Fiction-Film allgemein als Pflicht gilt. Seine Größe leitet sich von mechanisch-praktischen Überlegungen ab, aber auch psychologische Gründe der Akzeptanz kommen hier ins Spiel. Da körpernahe Roboter auf den Menschen zugeschnitten sein müssen, liegt es nah sie so konstruieren, dass sie von ihren Dimensionen „kompatibel“ sind, eine Armlänge einer menschlichen Armlänge entspricht. Hinzukommt natürlich der gewünschte Effekt eines Kontrollgefühls des Menschen gegenüber einer Maschine, die als wichtiger Helfer zugleich Abhängigkeit und Selbstständigkeit bedeuten kann. Die Vorstellung auf die Statur eines Kindes zurückzugreifen, sie liegt also nah.
Zum Versuch tatsächlich möglichst niedrig-schwellige, (menschliche) Interaktion zu bieten, passt auch, dass „Robot“ mit seinem Benutzer „normal“ redet, also scheinbar kein Zwischenschritt nötig ist, damit er dessen Sprache verstehen kann. Dies ermöglicht zum Einen die reibungsfreie Interaktion zwischen beiden, zum Anderen wird damit die Neigung des Menschen aufegriffen, Denken dort anzunehmen wo es verständlich und für ihn nachvollziehbar ist. Während etwa bei automatischen Systemen, also etwa dem Fahrscheinautomaten, noch erträglich ist, dass deren Intentionen nicht ablesbar sind, würde Robot unheimlich wirken, würde er in der zweiten Woche anfangen, die für ihn bereits bekannten Parameter von Franks „Alltag“ offenzulegen. Eigentlich wären entsprechende Abstraktionen für ihn als künstliche Intelligenz ein Leichtes und doch treten sie stumm in den Hintergrund bzw. werden Frank gar nicht erst angedeutet. Die Frage was im „Kopf“ des neu gewonnenen Freundes wohl passieren mag, wird leider nur sehr selten und mit einem Lächeln angedeutet. Robot ist nicht der Intuitivste, nicht der Schnellste wenn es um Menschliches geht, aber man sehe es ihm nach – er kann es ja nicht wissen.

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Robot macht die Gartenarbeit

Durch die attraktive Umsetzung muss die Geschichte um „Robot und Frank“ ganz klar als wichtiger Bestandteil der Bilder, die von der breiten Öffentlichkeit herangezogen werden, wenn das Thema „Roboter“ gestreift wird, gezählt werden. Es ergänzt sich mit anderem, weniger verdaubaurem Wissen, dass die zahlreichen Robotik-Labore nur vereinzelt und dann zudem noch medial verzerrt (!) verlässt.

Im vorliegenden Fall ist kaum zu kritisieren, dass die Rolle des Roboters wenig kritisch beleuchtet wird. Das ist schon durch die Anlage des Films als kleines Stück über Freundschaft in den neuen digitalen Zeiten eher als Kür denn Pflicht zu sehen. Schade ist aber ganz klar, dass bei allem Klamauk Frank seinen neuen Helfer zwar irgendwie akzeptiert – vor allem als dieser in einer leicht entrückten Szene selbstreflektierende Sätze von sich gegeben hat -, ihn aber stets nur zweckentfremdend verwendet. Als Zuschauer erleben wir nicht, warum es ihm langsam und wohl auch aufgrund der Hilfe besser geht. Es scheint allerdings durch, dass er einsam war und – ein dramaturgisches Feigenblatt –  unter den Folgen einer fortschreitenden Demenz leidet. Reaktiviert wird er schließlich durch das Ziel eines neuen „Coups“ und damit die bewusste Anknüpfung an eigene Erinnerungen und Erlebnisse. Der Roboter hat damit nicht viel zu tun. Es fehlen Momente, die dem Zuschauer verdeutlichen, mit welchem Blick Frank das Verhältnis betrachtet. Entlastet sein neuer „Butler“ ihn vor allem körperlich oder löst er in ihm väterliche Gefühle aus? Auch psychologische Momente („Ich bin ja gar nicht allein!“) oder ein Gefühl der Akzeptanz mögen eine Rolle spielen. Auch die Tatsache, dass sein Sohn ihm „Robot“ geschenkt hat, da er selbst nicht so oft vor Ort sein kann/will, wird nicht wirklich stark gemacht. Der Verdacht liegt nah, dass Franks mentale Situation sich entsprechend noch verschärfen würde. Doch – wir bleiben im Dunkel.

Übliche Szenen allgemeiner Fröhlichkeit samt der Andeutung besserer Tage genügen dem Film leider und stellen das Ganze daher zu kontrastiert dar.

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Robot and Frank

Fazit

Es fällt schwer, auch nach der ausgeführten Kritik, den Film als Ganzes negativ zu bewerten. Tatsächlich ist es schön, dass nach der Roboter-Begeisterung der 80er/90er Jahre, die einen klaren Schwerpunkt auf lustige oder actionlastige Unterhaltung setzten, heute ab und an Geschichten erzählt werden, die ihre künstlichen Protagonisten selbst zu Wort kommen lassen. Vor allem das Szenario eines Roboters, der als alltäglicher Begleiter gedacht ist, gehört zu den bis dato kaum bearbeiteten Themen. Ein erster guter Schritt für eine filmische Auseinandersetzung mit der Frage wie „sozial“ Roboter sein können oder sollten, ist der Film in jeden Fall.