Public Domain Content – Kosten und Recherche

Public Domain Bild - ein fliegender Postbote

Immer wieder kommt im Zuge der Arbeit an einer Wechsel- oder auch Daueraustellung die Frage auf, wie die verschiedenen Medieninhalte besorgt und vor allem bezahlt werden sollen. Um vor allem einer Kostenexplosion entgegen zu wirken, ist es sinnvoll nicht nur bei den gängigen Quellen zu suchen, sondern auch auch nach günstigen Alternativen Ausschau zu halten. Und genau hier kommen Inhalte der Public Domain ins Spiel, also „rechtsfreie“ Inhalte. Wann deren Nutzung sinnvoll sein kann – und wie man am Besten sucht, möchte ich hier kurz darstellen. Die Betrachtung bezieht sich vor allem auf internationale Bildrechte. Die deutschen werde ich in einem seperaten Beitrag über „gemeinfreie“ Inhalte erläutern.

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Konzeptphase- erste Gedanken - auch schon in Bildern

Ausstellungskonzept und Medienkonzept

Wie so oft ist es ratsam, schon früh darüber nachzudenken, welcher Stellenwert den Medien in der neuen Ausstellung zukommen soll. Das mag nach einer Binsenweisheit klingen, ist jedoch leider immernoch ein ernst zu nehmender Hinweis. Schon früh, das heisst in der Konzeptphase, sollte darüber geredet werden. Oft wird in dieser diskutiert, welche Geschichte erzählt, welche Inhalte vermittelt und welche Raumwirkung entfaltet werden soll. Auch museumspädagogische Aspekte werden zum Teil mit einbezogen. Sehr selten ist es jedoch, dass über die konkreten Auswirkungen  auf das Medienkonzept und dessen Möglichkeiten nachgedacht wird. Das liegt vor allem daran, dass nur sehr selten ein „Experte“ an Bord ist und somit vom Zufall abhängt, wie damit umgegangen wird.

Eine glückliche Fügung ist es natürlich, wenn der kuratorische Part aus der inhaltlichen Perspektive zugleich ein Auge auf Kostendimension und mögliche Leistung der Medien haben kann. Vor allem die jahrelange Erfahrung mit etwaigen Institutionen und zum Teil kollegiale Verbindungen sind nicht zu unterschätzen. Tagelange (Recherche-)Arbeit lässt sich innerhalb weniger Stunden abhaken, wenn der Mitarbeiter weiss, was sich unkompliziert nutzen lässt. Hilfreich ist es natürlich zudem, wenn im Team ein Bewusstsein für den Medieneinsatz in anderen Häusern besteht – obwohl das eher der exotische Einzelfall ist. die Das Wissen um gemeinfreie oder rechtsfreie Inhalte stellt immernoch die Exellenz dar. Gängig ist eher die Einschätzung, es wären „Inhalte, die nichts kosten und frei verfügbar sind.“

Kosten und Aufwand

Diese Vermutung, es handele sich bei Public-Domain-Footage um das kostenlose „Freiwild“ unter den Medieninhalten, hat starke Auswirkungen auf die Kostenerwartung bzw. kann sie beschönigen. Geht es dann an die genauere Planung wird dieser Trugschluss offenbar. Verschiedene Lizenzen spielen eine Rolle und auch der Aufwand in Arbeitszeit und Nachbearbeitung darf nicht unterschätzt werden.

Es ergeben sich andererseits verschiedene Vorteile. Ist man einmal auf entsprechendes Material gestoßen, kann man es in den meisten Fällen gleich digital ablegen und Besorgungsprozesse entfallen. Durch die freie Durchsuchbarkeit zahlreicher Datenbanken (s.u.) entfallen die üblichen  Gebühren, die allein schon durch Recherchearbeiten an Archiven und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen entstehen. Auch die daran anschließenden Schritte entfallen. Es muss keine Digitalisierung beauftragt, keine Lizenzbedingungen und -zahlungen ausgehandelt werden. Für ein Ausstellungsprojekt kann das im Einzelfall(!) sogar heißen, dass die Recherche mit dem „Inhalt X“ innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen sein kann. Gerade Platzhalter und sehr bekannte Bild-Ikonen sind hierfür prädestiniert.

Lewis Hine, Power-House-Mechanic working on steam pump
ein klassisches Beispiel:
Lewis Hine; Power-house-mechanic working on steam-pump

Bedingt durch die Überfülle von inzwischen  verfügbarem Material, ist es oft verlockend auch in der Ausstellung selbst einmal aus dem Vollen zu schöpfen und die Fülle zu repräsentieren. Doch schnell kehrt das Bewusstsein zurück, dass klassische Posten natürlich auch hier anfallen. Arbeitszeit will bezahlt werden, Planungen konzeptioneller und baulicher Art setzen dieser Lust sehr bald Grenzen. Auch der eigentliche Druck oder ein komplexer werdendes Menu für eine Medienstation fordern natürlich ihren (budgetären) Tribut.

Die eigentliche Recherche – Ausgangslage und Vorgehen

Wenn klar geworden ist, dass ein wesentlicher Bestandteil der Medien aus dem Bereich der Public Domain bezogen werden soll, stellt sich die nächste große Frage „Wie suche ich?“. Anders als vor 10 Jahren muss man heute nicht mehr genau wissen, was man sucht – und von welcher Institution man es zu erhalten hofft. Eigene Suchmaschinen und die Integration in bestehende große (Google…) haben sich auch in diesem Bereich etabliert, was nicht etwa ein Gefallen an die Kulturschaffenden der Welt ist, sondern schlicht der krassen Verschiebung und enormen Zunahme an (geteilten) Bildern im Internet geschuldet ist. Zudem fallen durch Fristenabläufe weiter regelmäßig historische Medien in diese Kategorie.

Zum Bild…

Im ersten Schritt kann also durchaus eine große Suchmaschine genutzt werden, da die meisten inzwischen über entsprechede Filter verfügen.Gleich einer Kopie-Orgie im Archiv kann gesammelt und recherchiert werden ohne dass man hier allzu schnell an Grenzen  stoßen würde. Zu beachten ist jedoch das systemmatische Erfassen relevanter Eckdaten (Name, Motiv, Jahr…). Diese werden in  der Folge sehr wichtig werden und nichts ist demotivierender und nervenaufreibender als ein Nachvollziehen von 50 eigenen Rechercheergebnissen.

Anschließend macht es Sinn, die wesentlichen Institutionen, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema auseinandersetzen, auf ihre Bestände zu prüfen. Hier macht sich Erfahrung bezahlt, um einschätzen zu können ob sich der Aufwand lohnt. Hat man Glück, findet sich das Gesuchte und auch die Bestätigung der freien Nutzbarkeit kann abgehakt werden. Erledigt!

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ein Beispiel für wunderbare, schnelle Funde: The Library of Congress

Library of Congress

… und zurück

Etwas komplizierter wird es, wenn zwar klar ist, dass es sich um nutzbaren Inhalt handelt, aber keine Bezugsquelle gefunden werden kann. Auch hier kommen wieder Suchmaschinen ins Spiel. Allen voran ist hier google zu nennen. Mit der umgekehrten Bildersuche lässt sich so manches Bild ausfindig machen. Handelt es sich bei der Quelle um eine Kultur-Institutionen, macht es Sinn nachzufragen. Wenig Hoffnung kann man sich hingegen machen, wenn eine der zahllosen privaten Websites keinen Hinweis auf die eigenen Quellen hinterlassen hat. Da hängt es dann von der hauseigenen Einstellung zum Urheber-/Nutzungsrecht ab und der eigenen Einschätzung ob gewisse Kriterien erfüllt sind. Häufig kommt es auch zum Fall, dass sich nur im Zuge längerer Recherchen und im Zusammenhang mit anderen Fünden weitere Informationen ergeben.

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unbekannte Schönheit - und eine Sackgasse bei der Recherche?

Um etwa bei obigen Bild zum Ergebnis zu kommen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit vom japanischen Künstler Shigeru Komatsuzaki gegen Ende der 60er Jahre angefertigt wurde,  ist entweder eine gehörige Portion Glück nötig oder es muss entsprechender Arbeitsaufwand betrieben werden.

Oben genannte Bildersuche führt zunächst nur zum Ergebnis, dass 1996 eine Electro-Musik-Compilation mit jenem Bild als Cover aufgelegt wurde. Grenzt man anschließend die Suche zudem mit pinterest und Co ein, ergeben sich bald weitere Informationen. Bei solchen Suchen gilt natürlich, dass sich die ersten Gehversuche holprig gestalten. Auch deshalb macht es Sinn schon früh über die Medieninhalte der Ausstellung nachzudenken. Imbesten Fall kann so der eigentlich fomale teil der Material- und Rechtsbeschaffung der inhaltlichen Arbeit gewissermassen auf Schritt und Tritt folgen.

Glaubens- und Gewissensfragen?

Oft steht man aber gegen Ende der Recherchephase zumindest bei einigen Bildern vor einer Art Sackgasse. Diverse Inhalte sind gefunden, doch die Quellen und damit Rechteverhältnisse bezüglich der Nutzung sind alles andere als klar. Eventuell hat man auch nur eine Kopie von geringer Qualität. Wie also damit umgehen?

Hierauf lässt sich keine pauschale Antwort geben. Wie beim Thema des Datenschutzes oder auch der Barrierefreiheit, hängt es stark von Schwerpunktsetzungen eines Hauses, seinen internen Regelungen, aber vor allem dem (Transparenz-)Druck ab, wie nachläßig oder streng mit Fragen des Bildrechts umgegangen wird. Das Spektrum reicht hier von völliger Unkenntnis der Rechtslage bis hin zur Komplett-Dokumentation der Recherchen und Absprachen. Eine häufig gewählte Verfahrensweise ist das dokumentierte Bemühen um die Einholung von Rechten. Das garantiert natürlich keinen Schutz. Daher macht es Sinn, Medien aus dem „grauen“ Bereich keinesfalls für die Außenwerbung oder prominent in der Ausstellung zu platzieren, so nicht die freie Nutzbarkeit dokumentiert ist. Als Nachweis kann dabei natürlich keine Amateurseite gelten, sondern mit ein paar Klicks sollte in der medialen „Oberliga“ (Wikipedia, Bibliotheken…) ein Nachweis einholbar sein.

historischer Zeitungsartikel 'Moon Base'
ein klassisches Beispiel aus dem 'Grau-Bereich', eine historische Zeitungsillustration

Fazit:

Public Domain Content hat für Ausstellungen seine Vor- und Nachteile. Die Recherche und das Ausloten von Möglichkeiten Geld zu sparen, sollte zu jeder genaueren Ausstellungsplanung gehören. Umgekehrt darf die Lust, ihn zu nutzen und damit auch Unbekanntes zu finden nicht aus dem Ruder laufen. Es gilt, eine gute Balance aus Sparpotenzial und investierter Arbeitszeit zu finden. Das klingt trockener als es ist, denn einmal gemachte Erfahrungen finden bei neuen Projekten sehr schnell ihren Niederschlag und die Recherche geht immer ein wenig leichter von der Hand. Aus diesem und anderen Gründen profitieren die jeweiligen Mitarbeiter, allen voran die Kuratoren, und ihre Museen von solchem Wissen, versetzt es sie doch in die Lage unbekannte Inhalte zu zeigen – und ein ganz klein wenig offener zu sein. Gegenüber Kulturinstitionen, gegenüber den Besuchern.

Anlaufstellen:

Ohne auf Vollständigkeit aus zu sein, hier einige Anlaufstellen zum Suchen und Finden von frei nutzbarem Medienmaterial: