„On the beach“, 1959

Der Film “On the beach” aus dem Jahr 1959 spielt das grimmige Szenario des atomaren Weltendes durch: Im fiktiven Jahr 1964 steht die menschliche Zivilisation durch die größte denkbare Katastrophe, einen Atomkrieg, kurz vor ihrem Ende. Einzig Australien blieb, so erfahren wir zu Beginn, verschont und wird sich voraussichtlich noch einige Monate auf das Ende vorbereiten können, das in Form des radioaktiven Fallouts bereits auf dem Weg ist. Im Wesentlichen erzählt der Film vom Umgang mit diesem Ende wie es sich vor allem in den Gedanken und Gefühlen der Menschen im Vorfeld herausbildet. Entgegen heutigen Sehgewohnheiten bekommt der Zuschauer dabei jedoch keine (Atom-)Explosionen, keine verunstalteten Post-Menschen oder moralischen Deformationen einer Welt danach zu sehen. Rund zwei Stunden sehen wir Menschen. Menschen, die versuchen Stärke zu beweisen für Andere. Die einen Weg suchen mit der Katastrophe zu finden. Und Menschen, die nicht verstehen, warum irgendjemand an sie glauben sollte in diesen letzten Stunden. Und die Angst vor der Einsicht haben, dass sie das noch nicht einmal selbst tun. Große Themen also! 

 

„On the beach“ im Kontext der 1950er

Anders als heute, waren Ende der 50er Jahre, Filme, die sich des menschengemachten Weltendes annahmen, eine Seltenheit. Zwar existierten zahlreiche Katastrophenszenarien. Stets unterlag dabei jedoch die dunkle/andersartige, meist aggressive Macht der menschlichen Bereitschaft zur Erhaltung der moralischen Integrität – im Fall der 50er Jahre der westlichen Welt in Form der USA. Vor allem das Motiv der außerirdischen Invasion wurde zum Gegenstand des Nachdenkens über eine mögliche Bedrohung Aller. Häufig Im Verlauf der 60er Jahre kamen dann ökologische und soziale Motive auf, die eher auf das Funktionieren von Gesellschaft und die Verantwortung Einzelner darin abhoben. „On the beach“ hingegen bediente mit der Australien-Metapher zwar auch die Vorstellung einer Rettung in letzter Sekunde. Das Ende, das jedoch gleichgültig aller Hoffnung doch kommen muss, war für den Film jedoch eines, das durch den Druck eines Knopfes gekommen war. Ohne Erklärungen – ohne Möglichkeit der Verhandlung oder des aufrechten Kampfes. Entsprechend erhielt die Produktion von amerikanischer Seite keinerlei Unterstützung. Erst „Dr. Strangelove“ von 1964 sollte (auf eigene Art) wieder so konzentriert auf den Moment des kollektiven (Selbst-)Mordes konzentrieren.

 

Szenarien des Krieges

Der Film stand bei seinem Erscheinen im krassen Gegensatz zu den (strategischen) Überlegungen zur Beherrschbarkeit atomarer Waffen. Denn seit dem Korea-Krieg und der beschleunigten atomaren Aufrüstung versuchten Wissenschaftler mithilfe von Szenarien verschiedene Verläufe und Ausgänge eines globalen Schlagabtausches durchzuspielen. 

Dies natürlich vornehmlich in Hinblick auf die Konfrontation mit der Sowjetunion. Damit einher gingen, die in den Büchern Hermann Kahns präsentieren Überlegungen zur Mutual Assured Destruction (MAD), also der gesicherten gegenseitigen Vernichtung im Falle eines Krieges. Verkürzt dargestellt spekulierte dieses System auf Erhalt des Friedens auf der Basis einer Rechnung, die durch die extreme Erhöhung des Angriffs-Risikos keine Spekulation auf einen sinnvoll zu führenden Krieg zulassen sollte. Dabei ist interessant, dass die Bestseller von Kahn sich auf detaillierte Art und Weise den daran hängenden Zahlenspielen widmeten und mit abstruser Genauigkeit vorrechneten, welche Szenarien mit welchen Opferzahlen auf der einen oder anderen Seite einhergehen würden. Um 1959 stand das Nachdenken über die atomare Kriegsführung damit ganz im Zeichen dieser Sinnhaftigkeits-Berechnungen. Da sich die jeweils betrachteten Größen jeweils im Millionenbereich befanden, konnte die individuelle Perspektive allzu schnell aus dem Blick geraten. Filmische Auseinandersetzungen mit dem konkreten Thema tauchten erst in den späten 60er Jahren auf.  

Handlung

Der Film beginnt mit der Ankunft des U-Boots 623 Sawfish unter Captain Dwight Towers. Diesem zur Seite gestellt wird der Australier Peter Holmes. Die persönlichen Geschichten der beiden stehen im Zentrum des weiteren Verlaufs. Während der Captain recht schnell Zuneigung entwickelt für Moira, die ihren Ängsten und dem Alkohol zu erliegen droht, ist Peter verheiratet und ist seit kurzem glücklicher Vater. Weiterhin gibt es verschiedene Nebenfiguren, die jedoch nicht eigenständige Geschichten erzählen.
Das U-Boot macht sich auf die Reise nach Norden, um zum Einen um das Strahlungsniveau zu messen und damit abschätzen zu können, wann die Bedrohung Australien erreichen wird. Zum Zweiten lassen sporadische Funksignale vermuten, dass es, entgegen aller Erwartung, noch weitere Überlebende geben könnte. Beide Hoffnungsschimmer werden jedoch enttäuscht. Das Ende kommt.

Motive und Highlights

“On the beach” erzählt insgesamt, wie bereits angedeutet, eine spannende Geschichte. Gleichwohl gibt es meiner Meinung nach 3 Szenen, die herausstechen. Und nicht zufällig drehen sich alle um die Einstellung zum Weltuntergang und beinhalten klare Statements. 

1.”We are all doomed!” – “There has to be hope – there is always hope!”

Die einführenden Szenen werden abgeschlossen durch eine Party, die Peter organisiert. In deren Verlauf breitet ein Forscher vor allen Gästen seine Meinung über die Schuld am Weltende aus und führt es auch in der Folge auf die Unbeherrschbarkeit der Technik zurück. „And then, one guy presses the button, because if he didn´t, his own country could be pulverized.“ Mary, die unter der sich ausbreitenden Hoffnungslosigkeit und einer sinnlos gewordenen Nachdenken über die Schuldigen leidet, bekommt dies mit und bricht in Tränen aus. Peter, ihr Mann, versucht sie zu trösten, ist aber in Gedanken schon damit beschäftigt sich auf das Unvermeidliche vorzubereiten.

Szene aus 'On the beach'
Mary Holmes (Donna Anderson), Peters Frau und der betrunkene Wissenschaftler

Stanley Kramer Productions

2.”You are going to be serious – I wish you wouldn´t.”

In der zweiten Szene in der wir Peter und seine Frau im Haus sehen, ist die Idylle auch mit großer Anstrengung nicht aufrechtzuerhalten, als die beiden auf Bitten Peters über die Möglichkeit des Selbstmords sprechen. Für den entsprechenden Fall haben wir ihn in den Szenen zuvor Pillen besorgen sehen. In einem emotionalen Gespräch, das die Grenzen von (Peters) Empathie und (Marys) Liebe behandelt, breiten beide ihre Gedanken aus. Mary erfährt von den Folgen einer Verstrahlung, Peter muss ihr sagen, dass auch für ihr Kind eine Pille vorgesehen ist. Obwohl emotional sehr aufgeladen, bleibt die Szene sehr auf die ethischen Fragen fokussiert. 

Peter und Mary besprechen die Option des Selbstmordes
Peter legt Mary den Selbstmord nah 'wenn es soweit ist.'

Stanley Kramer Productions

3. “No time to love. No time to remember”

In der dritten Szene spricht Moira, die sich in den Captain verliebt hat und diesen ziehen lassen muss, gegenüber dem Wissenschaftler über ihre Liebe und breitet unter Tränen aus, welches Leid es ihr bereitet, Towers ziehen zu lassen, allein zu sterben, ein Leben vertan zu haben. Gleichwohl wird sie sich verabschieden und ihrem Schicksal allein begegnen.

Moira und der Wissenschaftler in 'On the beach'
Moira offenbart dem Wissenschaftler ihren letzten Verlust

Stanley Kramer Productions

Fazit

“On the beach” entfaltet auch heute noch Sogwirkung. Ist man anfänglich von der Einfachheit des gezeigten Alltagslebens nebst zunehmenden Einschränkungen verwirrt, so stellt sich doch bald durch die Ruhe, die der Film sich nimmt, Sympathie für die gezeigten Menschen ein. Wir erleben, wie diese versuchen das Drama auszublenden, dass sich sprichwörtlich am Horizont abzeichnet. Sie leben und lieben. Sie trinken und streiten. Und versuchen noch ein wenig Leben aus den verbleibenden Momenten zu quetschen, wenn sie zusammen an den Strand gehen oder dem Alkohol verfallen.

Anders als in gegenwärtigen Filmen dieser Art kommt jedoch keine Rettung in letzter Minute. Im letzten Moment entscheiden sich Alle für den Selbstmord der Einen oder Anderen Art. Einzig das U-Boot ist noch unterwegs in den Untergang. Worauf der Film sehr achtet, ist es, entgegen dem herrschenden Zeitgeist der 50er Jahre, sind die persönlichen Einstellungen der handelnden Personen. Immer wieder geraten diese aneinander, wenn es um Fragen der Verantwortung geht. Peter und Mary, wenn es um ihre kleine Familie geht. Der Captain angesichts der Verpflichtung seiner Crew gegenüber. Immer wieder drängt er damit also auf einen Aspekt individueller Schuld, der nicht in das Szenario-Denken von Herman Kahn oder staatlicher Institutionen passen konnte.

 

Sehenswert.

 

 

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Gegen Ende des Filmes: Letzte Momente des gemeinsamen Alltags

Stanley Kramer Productions

 

Trailer zu 'On the beach'