Zeche Zollern – Inklusion deluxe

Blick auf ein Modell der Zeche Zollern

Bei einem Besuch in der Zeche Zollern (am Stadtrand von Dortmund) hatte ich Gelegenheit die bereits im Zuge der Neuplanung eines neuen Dauerausstellungsteils gedachte konsequente Umsetzung neuer Inklusionsansätze bewundern zu können. Meine Eindrücke möchte ich entsprechend darlegen.

In den (historischen) Räumen selbst bilden die nachträglich hinzu geplanten roten Stelen die zentralen Anlaufstellen vor allem für blinde Besucher. Aus ihnen lassen sich seitlich schmale Wänden ziehen auf denen die Kerninformationen des jeweiligen Themas auf interessante Art vermittelt werden: Zum einen über eine tastbare Grafik, zum Anderen durch darunter angebrachte Blindenschrift, die in Form von Braille- und Pyramidenschrift eine zusätzliche Barriere zu überwinden sucht. Damit bilden sie ein einteressantes Angebot auch für nicht behinderte Besucher, sind jedoch zugleich nicht aufdringlich, sondern bilden im Gegenteil einen sehr gewohnten Anblick. So vermitteln sie mit Überschrift und kurzem Text auch einen Wegweiser.

 

Tafel-mit-Blindenschrift
Ausziehbare Elemente

Auch der Boden wurde mit entsprechenden Orientierungshilfen für Sehbehinderte versehen. Durch einige Millimeter hohe Gumminoppen, welche ein ganzes „Verkehrssystem“ bilden, wird es möglich durch Ausstellung zu gelangen bzw. zu den wichtigsten vorbereiteten Stationen. Hoher Aufwand steckt hier nicht nur in der Vorbereitung, sondern auch in der baulichen Umsetzung. Kleinste Mängel können ins Gewicht fallen, Abrieb, Kosten/Nutzen-Fragen bis hin zur Farbwahl sind dabei nur die wichtigsten, die hier zu nennen sind.

Wie schon angedeutet wird die grundsätzliche Anlage der räumlichen Orientierung und das Angebot der zentralen Stelen weiter ergänzt durch Hörangebote. Hier ist am offensichtlichsten, dass inklusive Maßnahmen eben nicht nur „exklusiv inklusiv“ sind, sondern sich an weitere (in diesem Falle alle) Besucher wenden können. Dezente Freilassungen in einem größeren Bereich mit Hör- und Videoinhalten bieten Platz für Rollstuhlfahrer. Leider reichten die finanziellen Mittel nicht aus, auch noch beim großen zentralen Tastmodell der Zeche selbst die eine oder andere Verbeserung umzusetzen – etwas, das bei Kosten, die schnell im 5-stelligen Bereich liegen – kaum als Kritik anbringen lässt. Nicht nur ist der Nutzen noch nicht wirklich erschlossen, auch sind die Folgekosten (Instandhaltung, Aktualisierung) vergleichsweise hoch. Und auch ein Nutzen für nicht-behinderte Besucher ist organisch nur schwer umsetzbar.

Blindenschrift-Tafeln-2-Sprachen
Tastbild mit Blindenschrift

Zusammenfassend kann man festhalten- die Ausstellung muss sich schließlich noch in der Praxis bewähren -, dass die Zeche Zollern zeigt, dass Inklusion nun nichts mehr ist, dass als mittel- oder langfristiges abstraktes Ziel oder Anspruch gesehen werden kann. Obwohl die Gesetzgebung noch nicht soweit ist, klare Umsetzungs-Vorgaben zu leisten – ein ganz eigener Themebereich – sind einige Institutionen schon soweit, nicht nur mit kleinen (nachträglichen) Maßnahmen Alibi-Erweiterungen anzubieten. Vielmehr liegt hier ein Beispiel eines umfassenden Konzepts vor.

Womit ich überleiten will zu einigen Problemen und Fallstricken. Denn es darf nicht der Eindruck entstehen, dass von Beginn an bereits das Ziel bestanden habe, ein solches Pilotprojekt umzusetzen. Vielmehr ergab sich erst im Zusammenhang mit der konkreten Ansatz der neuen Dauerausstellung der entsprechende Anspruch. Die damit verbundene Verwirrung und die Abhängigkeit von der Motivation der direkt Beteiligten kann man nur erahnen. Diese mussten sich in die Rollen als Vermittler mit verschiendenen Interessengruppen finden, kleinere Fehltritte wurden enstprechen begangen bzw. entsprechende Erfahrungen für die Zukunft gemacht. Eine davon war mit Sicherheit die Erkenntnis die nächsten Änderungen durch frühzeitige Planung sowie die Etablierung von Beziehungen mit professionellen Dienstleistern unter Anderem für Boden, Schrift und Hörstationen anzugehen. Eine weitere besteht sicher in der Evaluation und der Bewertung ob sich der Aufwand tatsächlich gelohnt hat. (Das scheint im Moment nicht so auszusehen.)

Nicht zuletzt wird sich auch erst in Zukunft zeigen wie die verschiedenen Parteien (Träger, Vereine, etc…) weiteren  Projekten dieser oder anderer Art gegenüber eingestellt sind.

In jedem Fall gilt: Inklusion ist aktuell – gegenwärtig.

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Bodenleitsystem

Sebastian Wehrstedt

Film des LWL-Museums über das eigene Inklusions-Konzept