Historisches Museum Frankfurt 2.0 – the next big thing?

Das Historische Museum Frankfurt erlebt spannende Zeiten. 2007 entschied sich die Stadt für einen Abriss des Beton-Anbaus, der an die historische Substanz anschloß und ihn in der Folge durch einen im retro-historischen Sandstein daherkommenden zu ersetzen. Nur leicht im Verzug, ist die Eröffnung des 50-Millionen-Baus absehbar. Ein guter Grund, um den jetzigen Zustand unter die Lupe zu nehmen und die Stärken sowie Schwächen in den Blick zu nehmen. Reicht mehr vom Gleichen? Ist zu erwarten, dass der Neubau dem Museum etwas bringt? Wie attraktiv ist (bzw. war!) das „alte“ Museum für seine Besucher?

Los geht´s!

Zunächst wird man als Besucher ausgestattet mit dem Allernötigsten – einem Plan des Museums, der in rund 60 Minuten zu den Highlights führen soll.

Eintrittkarte samt Plan
Eintrittkarte samt Plan - derzeit leider ein absolutes Muss

Sebastian Wehrstedt

Gerade für Einzelbesucher und Touristen natürlich ein verlockendes Angebot. Zunächst geht es, nach dem etwas irritierenden und spannungsraubenden Durchlaufen „leerer“ Räume, hinab in den Keller in dem die Spuren des mittelalterlichen Frankfurts zu besichtigten sind. Und der ist dunkel. Und zwar nicht immer atmosphärisch, sondern schlicht störend. Das mag den Großteil der Besucher nicht stören, ältere oder sehbehinderte Besucher werden jedoch vor allem mit den Texten ihre Probleme haben, die jedoch glücklicherweis klassisch im Schwarz-Weiß-Stil gehalten sind. Es folgt eine schlichte, aber gute Präsentation der Reichsinsignien und anderer Exponate und man arbeitet sich als Besucher in die oberen Etagen vor. Das geschieht derzeit noch etwas verwirrend mit zahlreichen Einschränkungen, da das Haus merklich im Griff der Baumaßnahmen ist.

 

Hier betritt man dann typische, moderne Räumlichkeiten eines größeren Stadtmuseums, wobei jede Abteilung mithilfe kleinerer und größerer Spendengeber realisiert wurde. Überraschend breit gefächert kommt aber zum Beispiel die Aufführung der beteiligten Parteien im ersten Bereich über die „Frankfurter Sammler und Stifter“ daher. Dass sich kommunale Größen und Insitutionen engagieren ist natürlich gerade im Fall von städtischen Museen alles andere als exotisch, im Frankfurter Fall fällt jedoch die Konsequenz und Offenheit mit der dies geschieht auf. Auch finden solche Untersützungen meist eher ihren Niederschlag in der Form von Sonderveranstaltungen/ausstellungen und nicht, wie hier, der Umsetzung von Teilen der Dauerausstellung. Das hat seine Vor- aber auch Nachteile. Im Fall Frankfurt sorgt es dafür, dass meist in den recht begrenzten Räumen zentrale Räume geschaffen werden. Eine unglückliche Wahl, zumal wenig mit der jeweils zweiten Schauseite gearbeitet wird.

Porzellan-Sammlung des Historischen Museums Frankfurt
Porzellan-Sammlung des Historischen Museums Frankfurt, man beachte das einzige hervorgehobene Exponat rechts

Sebastian Wehrstedt

 

Etwas überraschend sind die spielerischen Installationen, die in fast jeder Abteilung des Hauses für Kinder geschaffen wurden. Es dürfen Gegenstände sortiert, Bilder gehangen und das Gewicht einer Rüstung getragen werden. Eine schöne Idee, die jedoch kaum inhaltlich angebunden ist. Hier werden keine Kernaspekte vermittelt oder vertieft.

Spielstation im Historischen Museum Frankfurt
Spielstation für die Kleinen

Sebastian Wehrstedt

Gleichwohl sind solche Einbindungen natürlich wünschenswert und sind am HMF nicht zuletzt als Mittel der Inklusion gedacht. Es gibt aber auch Installationen, die zweifelhaft erscheinen lassen, welchen Nutzen sie bringen: Zwar sind Erläuterungen zu einem größeren Bild auf Kinderaugenhöhe zwar gut und wünschenswert. Eine übermäßig kurze Bezeichung (s.u.) bringt jedoch weder Kindern noch Erwachsenen Nutzen.

 

 

 

 

 

 

Auch erwachsene und anspruchsvollere Besucher können sich in der Ausstellung schnell allein gelassen fühlen. Die Präsentationen sind alles andere als aufregend, Texte selten und simpel. Da hilft es auch nicht viel, dass ein paar Informationen in kleinen Büchlein zu finden sind, die sich jeweils an einem Tisch finden. Fast alle Abteilungen sind durch Raum-in-Raum-Lösungen unnötig beengt und belohnen die Neugier in Form von Münz-, Schwert- und Porzellansammlungen auch nur sehr bedingt. Fast an keiner Stelle wird ein Exponat hervorgehoben und das Auge wird schnell müde ein weiteres Ensemble von gleichen Gegenständen zu betrachten.

Jenseits dieser gestalterischen Langeweile merkt man doch, dass versucht wurde eine Mischung in der Vermittlung zu erreichen. Regelmäßig finden sich vor allem zum Ende der Ausstellung Monitore, die weitere Informationen bieten könnten. „Könnten“, da zum Zeitpunkt des Besuchs kein einziger funktionierte… Andere Lösungen sind weniger gelungen bzw. erreichen nur eine sehr kleine Zielgruppe. Kaum vorstellbar ist es zum Beispiel, dass sich Jugendlich in Hörmuscheln setzen und mit Blick auf Versatzstücke des bürgerlichen Lebens einem kleinen Hörspiel lauschen.

Anmerkung:

Eine interessante, kleine Installation ist für Museumsinteressierte und -involvierte dann doch noch zu finden: In einem Roll-Magazin befinden sich einige Hundert kleine Rahmungen historischer Gemälde, das zumindest potenziell regelmäßig in seiner Konfiguration geändert werden kann. Wie oft das jedoch im Alltag passiert, wird sicher nur Stammgästen des Hauses auffallen. In jedem Fall eine gelungene Lösung und der Erwähnung wert.

 

Roll-Gitter zur Gemälde-Präsentation
Roll-Magazin-Lösung zur Präsentation der Gemäldesammlung

Sebastian Wehrstedt

 

Erstaunlich: Das klassische Signum von Stadtmuseen findet sich hier gut präsentiert. Denn im letzten Raum, dem ersten der überraschend offen wirkt, finden sich zwei Stadtmodelle. Eines davon zeigt die Zerstörungen der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg, eines das mittelalterliche Frankfurt.

Fazit – der Stand der Dinge

Wirklich spannend ist ein Besuch im Historischen Museum Frankfurt im Moment (Stand März 2017) nicht. Wenige Informationen müssen zielgerichtet gesucht werden, die Räume sind klein und wirken durch zusätzliche Wände fast schon drückend. Ein Blick auf den gerade entstehenden Neubau hinterlässt jedoch einen tiefen Eindruck und man fragt sich, was und wie man hier wohl die Geschichte der Stadt präsentiert bekommen wird. Es wäre wünschenswert, wenn die guten Ansätze (Inklusion, Medienstationen) weitergeführt werden und dem Haus der Druck genommen würde, auf jede architektonische Beengung auf die gleiche Art zu antworten. Gerade der mittlere, über zwei Etagen reichende, Teil der Ausstellung zeigt, welche interessanten Spannungen schon räumlich möglich sind. Es bleibt zu hoffen, dass zahlreiche spannende Exponate aus der Frankfurter Geschichte in der Zukunft Teil einer neuen spannenden Dauerausstellung werden. Da geht was! Go Frankfurt, go!

Ausblick:

Die Eröffnung des Neubaus steht kurz bevor! Im September 2017 öffnen die Abteilungen „FRANKFURT JETZT!“ und „FRANKFURT EINST?“ ihre Pforten. Auch auf dem Blog gibt´s weitere Informationen! Nach der Eröffnung gibt es hier, so hoffe ich, natürlich einen Anschlussartikel!

Weitere Eindrücke der Ausstellung: