Die Duckomenta auf Tour (Leipzig) – Quak? Quak!

Die meisten Museen stehen bei der Auswahl ihrer Ausstellungen im Spannungsfeld zwischen publikums-naher Unterhaltung und der eigenen, oft nicht unmittelbar Neugier erzeugenden Mission. Allzu oft kann daraus im Prozess des Werdens für alle Museums-Beteiligten eine mal anstrengende, mal anregende Atmosphäre entstehen. Konzepte müssen erarbeitet, Exponate besorgt und eine Lösung für die Gestaltung gefunden werden.
Wie erfrischend und entlastend es also sein muss, würde man einmal ohne großen Pomp, aber mit Humor und Pop-Kulturanleihe, die Mitte bedienen…. Also mal etwas, in diesem Fall eine Sonderausstellung, zeigen, das sich umschreiben ließe als interessant, aber wenig fordernd. Und das gleichzeitig etwas ist, das die Ressourcen des Hauses nicht allzustark bindet. Mit der Duckomenta hat das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig versucht, diesen Weg zu gehen und sich damit definitiv einen Besuchermagneten ins Haus geholt. Doch was genau steckt hinter dem Konzept? Und ist es so unterhaltsam wie es klingt?

Die Idee:

Die Duckomenta ist eine Sonderausstellung, die bereits seit den 80er Jahren in der einen oder anderen Form durch Europa tourt. Konzeptionell liegt ihr der offensichtlich (!?) komische Gedanke zugrunde, es habe neben der menschlichen eine Kulturgeschichte der Enten gegeben. Beworben wird sie als popkulturelles Augenzwinkern und Ort des Staunens. Auch die Begegnung von Jung und Alt aufgrund des zugänglichen Themas kommt gelegentlich zur Sprache in Werbung und Marketing. Letzteres kann, so möchte ich schon an dieser Stelle sagen, höchstens als Streifschuss, keinesfalls als Treffer bezeichnet werden. Klar ist, dass ein solches Konzept grundlegend interessant ist, eben weil der Spielraum immens, humoreskes Potential definitv vorhanden und Zitation gewissermaßen zum Kern der Sache gehört. Gleichwohl würde man erwarten, dass das Konzept einer Ausstellung, die Jahrzehnte durchs Land reist, sicher ab und an Anpassungen erfährt. Zunächst sind die Limits einer solchen Idee schwerlich auszumachen, es kann in alle Richtungen wachsen. Wo steht die Ausstellung also heute – 2017, 31 Jahre nach der Geburt?

Los geht´s!

In einer ersten Etappe wird die mythische Frühgeschichte der Enten-Kultur dargestellt, die von der nomadischen Zeit bis zu den ersten Hochkulturen reicht. Recht spröde findet sich die Enten-Version des “Ötzi” (”Dötzi”) neben einer Pharaonen-Ecke. Das ist schade, aber ok. Erst im zweiten Moment fällt auf, dass es keine wirkliche Eingangssituation gibt. Weder wird ein besonderes Exponat hervorgehoben, noch gibt es eine Einführung inhaltlicher/konzeptioneller Art. Das kommt sicher noch, denkt man. Hofft man.

das 'Alte Ägypten' in der 'Duckomenta'
Nüchtern ja, interessant - naja, so halb

Sebastian Wehrstedt


Eine Enten-Version des Ötzi, 'Dötzi'
Tot - Toter - 'Dötzi'

Sebastian Wehrstedt

Ebene 2

Es geht die Treppe hoch. Doch Enttäuschung macht sich breit: der eigentliche, größere Ausstellungsbereich des Hauses breitet erneut ohne jede Vorrede oder Spannungsaufbau alles auf, was er zu bieten hat. Kein Text weist darauf hin, dass man sich als Besucher entgegen dem Uhrzeigersinn an der Wand entlanghangelt. Bevor man das verstanden hat, hängt man gewissermaßen im luftleeren Raum – “Wohin soll ich jetzt!?”.
Nach der Überwindung dieser Hürde wird klar, dass die weiteren Werke in Stil und Motivik im Wesentlichen einen Lauf durch die europäische Kunst- und Kulturgeschichte der Moderne, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf dem 19. und 20. Jahrhundert bilden. So finden sichen Picasso, Friedrich, aber auch Cranach in diesem Durchlauf.

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Grandios unspektakulär - der erste Eindruck

Sebastian Wehrstedt

The Good

Der am besten wirkende Teil ist das nun folgende Drittel der Ausstellung. Es besitzt eine klare räumliche Struktur und ermöglicht es dem Besucher den Stiländerungen zu folgen oder sich auf ein einzelnes Werk zu konzentrieren. Die Gemälde sind von teils sehr hoher Qualität und ließen zum Teil gar wunderbare Vergleiche mit ihren Vorbildern zu. Und ganz eindeutig gehört eine Ausstellung über eine imaginäre alternative Weltgeschichte in deren Zentrum Enten stehen, zu den eher originellen Ideen des Museumsbereichs. Hier sieht man, dass es durchaus interessant geht, da die Bilder klassisch gehangen einen leichten Hauch Hochkultur versprühen – potenzielles Spielmaterial für solche eine Ausstellung „mit Augenzwinkern“. Zudem sind der ewig kämpfende Single Donald Duck, seine Neffen Tick, Trick und Track und Andere wohl jedem Besucher bekannt.

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Der klassische Blick in eine Galerie verweist auf das gestalterische Potenzial

Sebastian Wehrstedt

The Bad

ABER: Nur selten wird im Angesicht einer solchen Steilvorlage (s.o.) nicht wenigstens ein Einzel-Treffer versenkt, doch hier passiert das leider. Jenseits der Komik der ersten Momente gibt es wenig, dass den Besucher zum Nachdenken bringen könnte. Weder erfolgt ein konkreter Bezug zu den Vorbildern, die hier zitiert werden, noch wird eine interessante Geschichte erzählt, der wenigstens Kinder geneigt wären zu folgen.

Dazu kommt eine überraschend straffe Disziplin, wenn es um die Vermeidung von Anleihen auf das Comic-Universum geht. Die Enten-Figuren sind hier einfach nur noch Projektionen und nicht „the real thing“. Und so wird auch die (frohe!) Erwartung, man würde auf der entsprechenden Ebene unterhalten, arg enttäuscht. Ein Umstand der sicher der Vermarktungsfreudigkeit und -konsequenz der entsprechenden Agentur interDuck aus Berlin, zu verdanken ist.
Der Besuch fühlt sich an, als durchwandere man eine explodierte Foyersausstellung der 80er Jahre bzw. würde Zeuge dessen, was passiert, wenn man tatsächlich einer anfangs für witzig befundenen Idee folgt – ohne später weitere Anpassungen vorzunehmen. Denn das Konzept selbst ist ein Kind der 80er und aus diesen gewissermaßen natürlich erwachsen. Erstaunlich ist, dass die Zeit stehen geblieben ist.

The Ugly

Überraschend sind auch einige qualitative Ausrutscher, die vor allem bei den 3D-Exponaten auffallen. Mag man es dem Enten-”Ötzi” noch nachsehen, dass er seine besten Tag längst hinter sich zu haben scheint, ist der Astronaut eigentlich schon als gruselig zu bezeichnen.

In die Jahre gekommenes Exponat 'Astronaut'
'Hilf mir! Schau nicht weg!'

Sebastian Wehrstedt

Fazit zur „Duckomenta“ im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig

Nach dem Besuch stellt sich ein sonderbares Gefühl ein. Hin- und hergerissen zwischen dem positiven Wunschenken, das die verschütteten Möglichkeiten sieht, und einer tiefen Unzufriedenheit über den geringen geistigen Aufwand, wird erreicht was viele andere Ausstellungen versuchen, aber nicht schaffen. Es wurde Verwirrung geschaffen und die Frage gestellt “Sag mal, hast du verstanden warum die so eine Ausstellung machen?”
In Zeiten von Instagram, Selfies und Online-Marketing sicher nicht zuletzt für den Duckomenta-Shop….

Das alles ist nicht als krasse Ablehnung zu verstehen, sondern als Paradebeispiel der Probleme einer kommerziellen Wanderausstellung. Ich hoffe in Zukunft weitere vorstellen zu können, um Vergleiche anstellen zu können.

Was eine Empfehlung angeht, so muss ich mich in diesem Fall enthalten. Für den Einen oder Anderen mag gerade die beschriebene Einfachheit und der damit verbundene konzeptionelle Humor das Richtige sein, in mir hinterließ der Besuch das Gefühl von verschenkter Zeit – und Müh.

ein kleiner Spaß am Rande in der Duckomenta, Leipzig
ein kleiner Spaß am Rande - und leider schon der witzigste Moment des ganzen Besuchs

Sebastian Wehrstedt

Laufzeit: 23.11.2016 – 23.4.2017

der Besuch erfolgte am 04.02.2017