Besucherforschung – what is it good for?

Einen oft unterschätzten Aspekt der Museumsarbeit stellt die Besucherforschung dar. Vieles ist unbekannt oder schemenhaft und an einigen Kenngrößen besteht erstaunlichweise kein Interesse.

Doch Eines nach dem  Anderen: In den letzten Jahren hat das Museum als Insititution größeren Zulauf erfahren bzw. die Besuchszahlen sind kontinuierlich gestiegen. Die Zahl der Besucher blieb weitestgehend stabil, so dass sich eher von einer erfolgreicheren Aktivierung des kulturaffinen Milieus sprechen lässt als von einer echten Popularitäts- oder Bedeutungsvergrößerung. Und an diesem Punkt betritt man leider schon wenig erschlossenes Terrain. Zwar lässt sich häufig für ein Haus noch nachvollziehen aus welchem sozial-demographischen Background die Besucher stammen, ob sie allein oder in Gruppen die Ausstellungen besuchen und ob eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit und des Service zu höhere Resonanz und damit höheren Besucherzahlen geführt haben. Das sind jedoch die Ausnahmen. Schon die Frage ob das Thema oder die Art und Weise der Umsetzung einer Sonderausstellung zum Erfolg geführt hat, legt unwissende Stille über so manche Besprechung. Das ist zum Einen tragisch, da der Erfolg eines solchen Projekts oft zu einer unbeeinflussbaren Schicksalsfrage wird – und zum Anderen untergeht, dass eventuell einige der Beteiligten (ohne Erfolg?) an ihre Grenzen und darüber gegangen sind und sich Missstände mit geringem Aufwand hätten auffangen lassen. 

Die Evaluation als Mittel der Selbsterkenntnis

Ein Instrument der Erkenntnis über die eigene Arbeit ist die Evaluation. Mit ihr lässt sich (oft in Auswahl) dem Stand und der Entwicklung auf folgenden Gebieten nachspüren:

  • der gesellschaftliche Wandel (Mediennutzung, demographische Entwicklung, Besucher-Milieus,…)
  • das Verständnis der Relevanz kultureller Institutionen
  • Veränderung der Präferenzen bezüglich des Zugangs (Erlebnis, Erzählweise, Sinnlichkeit, Anteil der eigenen Aktivität in der Ausstellung,…)
  • die Legitimität der eigenen Arbeit in der Öffentlichkeit

Daraus lassen sich dann verschiedene Reaktionen entwickeln:

  • eine eigene Strategie bezüglich der angestrebten Besucherentwicklung,
  • Definierung und Priorisierung von Besuchergruppen,
  • Entwicklung eines entsprechenden Marketings,
  • (Weiter-)Entwicklung des Leibilds -> Besucherorientierung
  • Verbesserung des Projektmanagements,

Natürlich ließe sich zu jedem der einzelnen Punkte Einiges ausführen. Ich möchte mich an dieser Stelle jedoch auf die Wege konzentrieren wie man zum Wissen gelangen kann, dass sinnvolle und gesteuerte Reaktionen möglich macht.

Neue Ansätze

Einen neuen Ansatz, der versucht die verschiedenen Schwächen der klassichen Erhebungsverfahren zu kompensieren, stellt die Unterteilung in „Kultur-Segmente“ bzw. „cultural segments“ dar. Dieses konzentriert sich auf die kulturellen Werte, die Besucher mit einem Museum bzw. einer Ausstellung verbinden. Zwar spielen die althergebrachten Eckdaten auch eine Rolle – im Kern geht es jedoch um die Motivation, die Verarbeitung und die Ziele, die sich mit einem Besuch verbinden. Die Kategorien der Betrachtung sind dementsprechend:

  • Aussage der kulturellen Betätigung
  • Stimulation durch den Besuch
  • Bereicherung durch d. Besuch
  • Ausdruck der eigenen Person durch kulturelle Betätigung
  • (intellektuelle und persönliche) Perspektive
  • Bestätigung im sozialen Kontext
  • Unterhaltung
  • (sinnvolle Freizeit-) Kompensation (vornehmlich für Eltern)

An dieser Stelle kann natürlich die Frage nach der grundsätzlichen Anlage von Befragungen nicht geklärt werden. Jedoch möchte ich einige Gedanken bezüglich der Implementierung und Umsetzbarkeit äußern. Zunächst scheint durch, dass die Weiterentwicklung der oben genannten Kategorien potenziell mehr Möglichkeiten zulässt, an Phänomene der gegenwärtigen Entwicklungen heranzutreten. Die „Gewissheit“, dass fast jeder Museumsbesucher ein Handy dabei hat, darf eben nicht zur Einschätzung führen, dass dieses ständig im Bezug auf die Ausstellung zum Einsatz käme. Umgekehrt gibt es große Besuchergruppen, denen der Gebrauch aus verschiedenen Gründen als Angebot transportiert werden muss – oder die diese Ebene eben gänzlich außen vorlassen. Gerade ältere Besucher bilden hierfür stets die Folie, vor der nach der Relevanz und Praktikabilität von Befragungen gefragt wird. Wie alle Altersgruppen geht deren Querschnitt jedoch durch alle Milieus und damit Motivationen. Es gibt sie – die technikbegeisterten Rentner. Und es mag auch junge Besucher geben für die ein Handy keine Relevanz in einer Ausstellung hat. Und dies ließe sich auf jede denkbare Kategorie anwenden. Eine gute Erhebung kann hier Einiges ans Licht befördern:

  • Aus welchen Gründen kommen die Besucher in die Ausstellung?
  • Welche Wertigkeit besitzt das Erlebnis? (s.o.)
  • In welcher sozialen Situation befinden sie sich (Gruppe, Freiwilligkeit, etc.)
  • welche Erwartungen bestanden vor dem Besuch

Dies sind nur einige der relevanten Kernfragen! Kernfragen, die jedoch durch einen guten Fokus so einiges an Erfahrung über das Wesen „Besucher“ bereithalten. Denn wie es bei vielen angrenzenden, obwohl als relevant betrachteten, jedoch immernoch nicht ganz in den Alltag bzw. Geschäftsablauf integrierten Themen, sind auch Besucherbefragungen oftmals ein zweischneidiges Schwert. Der Aufwand scheint groß, Zeit und Geld müssen aufgewandt werden, der Ausgang mag unbefriedigend sein und unter Umständen bereits Bekanntes zu Tage fördern. Letzteres scheint die größte Hürde zu sein. In vielen Museen meint man sehr klar Vorstellungen von den eigenen Besuchern zu haben. „Bei uns kommen doch eh nur ……“, „Sie wissen doch, wer unsere Ausstellungen besucht…“

Die Frage bleibt: Wissen Museen wer „der Besucher“ ist? Die Antwort ist oft ein „Kleine-Welt-Konstrukt“. „Wir gehen schon davon aus, dass wir das wissen.“ …

Grundlegendes zur ersten Orientierung finden Sie an folgenden Stellen:

Deutscher Museumsbund, statistischer Jahresbericht

Wikipedia, Aufstellung der Museen und ihrer Besucherwerte

Wie Erhebungen aussehen können, finden Sie hier:

Das Deutsche Museum mit seiner Studie zum neuen Verkehrsmuseum

Die Arbeitsgruppe Heidelberg stellt umfangreiches Material zur Verfügung

Das Panzermuseum (Munster) bietet auf seiner Seite jährliche Erhebungen