„Alarm im Weltall“, 1956

Unbestreitbar zu den Höhepunkten des frühen Roboter-Films ist „Alarm im Weltall“ zu zählen. Erzählt wird die Reise des Raumschiffs „C57-D“, das im Zuge der Entdeckung des Hyperdrives im Auftrag der vereinigten Regierungen der Erde unterwegs ist, um auf dem fern gelegenen Planeten Altair 4 dem Schicksal von Professor Morbius nachzugehen. Unter dem Kommando von  Captain J.J.Adams gelingt es tatsächlich Kontakt herzustellen. Schon kurz nach der Landung begegnen wir Robby, der als Chauffeur das persönliche Treffen mit dem Professor arrangiert.

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Die erste Schlüsselszene erläutert die Fähigkeiten des Roboters. Er kocht und ist in der Lage exakte Kopien von gegebenen Materialien zu replizieren. Mit der Bemerkung „He is just a tool“ wischt Morbius die spontane Erregung der Landemannschaft weg, er könne zur Bedrohung werden. Denn: als Robby erst testweise eine Pflanze und schließlich den Captain selbst mit einer Laserwaffe selbst vernichten soll, wird die Sicherheitseinrichtung aktiviert. In einer Art Dauer-Kurzschluss verfängt sich Roby im „Zwiespalt zwischen dem Befehl und der ethischen Richtlinie kein Lebewesen zu verletzen“. Zudem eröffnet der Professor er habe ihn selbst gebaut.

Nachdem die eigentliche Geschichte vorangetrieben wurde und das Raumschiff durch undurchsichtige Saboteageaktionen auf dem Planeten strandet, hilft Robby bei der Reparatur. Erneut spielt er hier seine körperlichen Fähigkeiten aus und versorgt in der Folge den Bord-Koch in einer zeittypischen Humor-Episode mit künstlich hergestelltem Alkohol. Eine Aufgabe, die er wiederum bedenkenlos und effizient erledigt und diesem 50 Gallonen Brandy für dessen „Dienstaufgaben“ zur Verfügung stellt. Scheinbar eine leichte Übung für den ethisch gebrieften Assistenten. Und für den heutigen Zuschauer beachtlich unlogisch.

Die Handlung wird außer durch diesen Auftritten von Robby mehrmals unterbrochen durch eine den 50er Jahren wohl angepasste Darstellung der ersten sexuell-emotionalen Gehversuche der Tochter des Professors. So komponiert und irrelevant diese für das Geschehen sind, vervollständigen sie den Film auf angenehme Art und Weise. Gegen Ende fügt sich Alta („Die Andere“) sogar auch stimmig in die Erzählung des Filmes wie wir noch sehen werden. An diesem Punkt der Betrachtung deutet sich aber bereits an: „Alarm im Weltall“ verlässt sicht nicht, wie die meisten Filme der Zeit, auf einen Aspekt, sondern bietet eine Mischung aus Technik, Zukunft, Emotionen und der Angst vor dem Andersartigen eine rasant-aufregende Mischung.
„The Time has come for clarification“
In der Mitte des Filmes offenbart Morbius, gedrängt durch die schritttweisen Enthüllungen der Schiffscrew, das Geheimnis dessen Bewahrung er sich eigentlich allein auf das Gewissen laden wollte: Vor langer Zeit existierte auf dem Planeten eine Zivilisation, die nach der Verwirklichung einer idealen Gesellschaft und nach der Krönung ihren Schaffens vor 200.000 Jahren in einer Nacht unterging. Er zeigt ihnen die Artefakte mit deren Hilfe er die hohe Entwicklung der Krell, ebenjener Rasse, deutlich macht.

 

 

„Monsters from the subconcious“

Im Anschluss verschärft sich die Lage am Raumschiff, das erneut von einem unsichtbaren Wesen angegriffen wird. Mehrere Crewmitglieder sterben. Als Adams den Planeten verlassen will, weigert sich der Professor. In der spannendesten Entwicklung des Films erkennen erst Captain Adams und in der Folge auch Morbius, dass es sich bei den unsichtbaren Kräften um das Unterbewusstsein des Professors h

Poster zum Film 'Forbidden Planet'
prägnant - 'Leben und Lieben im Weltall'

andelt. Wie die Krell hat er seinen unterbewussten Hass und die Lust an der Zerstörung vergessen. Wie die Krell ist er durch ihre Realisierung dem Untergang geweiht. In einer dramatischen letzten Szene wird die freudsche Konstellation schließlich explizit gemacht: Als er selbst sich mit dem größer werdenden Verdacht konfrontiert – das „Monster“ ist kurz davor in das Haus des Professors einzudringen -, bittet Morbius seine Tochter zu ihm zu stehen und sich nicht der Zuneigung zu Captain Adams zu ergeben. Doch – wir können als Zuschauer nur ahnen aus welchen Motiven – seine Tochter widerspricht. In vollständiger Verwirrung über seine Gefühle des Verlusts und der Machtlosigkeit kann er weiteren Schmerz nur verhindern indem er den Planeten zerstört.

Einordnung in die Welt des Roboter-Filmes:

Die Einflechtung von Robby, dem Roboter in das Geschehen des Films ist aus verschiedenen Gründen interessant. Ich will mich hier den vermittelten ethischen Leitlinien widmen. Unmittelbar greifen diese die Robotergesetze auf, die 1942 in einer Kurzgeschichte von Isaac Asimov in einer Geschichte entwickelt wurden. Entsprechend galten sie damals als modern und wurden gern und oft in die Zukunft projiziert.
Diese definierten sich wie folgt:

  1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
  2. „>Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
  3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Aufgrund der maschinellen (binären) Logik, die diesen Gesetzen zugrunde liegt, fallen diese eindeutig aus. Zumindest scheint das so. Immer wieder werden sie jedoch während der Auftritt von Robby auf ihre Elastizität erprobt bzw. schlicht ignoriert.

In anderen Filmen der 50er Jahre kam Robotern noch stärker der Part des (bösen) Werkzeugs mit geringen geistigen Kapazitäten zu. „Target Earth„, ein B-Movie von 1954, zeigte stumme riesige Roboter-Soldaten, der amüsant schlechte Film „Robot Monster“ aus dem Jahr zuvor, zeigt ein beharrtes Wesen, das sich selbst als „Roboter“ bezeichnete, jedoch lustvoll seiner Menschenjagd nachging – und abgesehen von einem verdächtig nach einem Aquarium aussehenden Helm keinerlei Assoziationen an einen Roboter weckte. Mit Robby lernten die Zuschauer erstmals eine Maschine kennen, die zwar nur Bereicherung war, dabei allerdings wunderbar mechanisch und gleichzeitig scheinbar bis zu einem gewissen Punkt selbstständig denkend daher kam. Mit einem derartigen gebändigten „Zauberlehrling“ ließ sich wunderbar von einer Zukunft träumen. Einer Zukunft, die zwar – wie mit dem Untergang der Krell angedeutet, auf Basis einer ungezähmten technologischen Entwicklung – untergehen kann. Das jedoch nur aufgrund der Tatsache, dass die oben genannten Regeln eben zu Gewissensbissen und Emotionen nicht kompatibel sind. Heute scheint es wenig einleuchtend, dass bei einem derartigen Entwicklungsstand keine Funktion des Systems in der Lage wäre, entsprechende (psychischen) Abhängigkeiten aufzudecken.  Der Aufgabe über den Punkt der Beherrschbarkeit komplexer Technologie nachzudenken, nahmen sich aber erst die Filme der 70er Jahr an, die durch die Computer-Revolution neue Impulse erhalten hatten.