Natur und Mensch, Oldenburg

Ohne Zweifel stellt die Dauerausstellung des Museums „Natur und Mensch“ in Oldenburg ein Beispiel gelungener Gestaltung und Präsentation dar. Da sie an einigen Stellen überrascht, lohnen ein paar Worte. Zunächst betritt man die Ausstellung im Themenbereich „Moor“ – die „verlorene Landschaft“. Eine Collage aus Bildern, Ansichten und Landschaften bildet hierzu die Begleitung. Nur sehr unauffällig ist eine Umrisstafel platziert, die das Rätsel um die Namen der Orte, Personen und Landschaften auflöst. Entschädigt wird der Besucher hierfür jedoch durch den folgenden Raum in dem ein zentraler Moor-Querschnitt das Interesse auf sich zieht. Bei genauerem Hinsehen lässt sich sogar eine Mumie entdecken. Dezent umgeben weitere kleine Installationen und Informationen dieses Zentralobjekt.

DSC05857-1136

Sebastian Wehrstedt

Die zweite Etage

Im Anschluss geht es um die Geest bzw. der eiszeitlichen Altmoränenlandschaft. Hier ist die menschliche Präsenz in der Landschaft deutlich spürbar über die zunehmende Verflechtung von Natur (Tiere) und menschlicher Kultur/Arbeit. Eine weitere Querschnitts-Installation erzeugt Interesse und leitet zugleich wunderbar durch die Ausstellung. Wieder bilden Erweiterungen den Rahmen, die allerdings inhaltlich abstrakter und spielerischer ausfallen und damit (subjektiv!) um einiges interessanter sind. Hinzukommen noch zahlreiche Beispiele der Pflanzenwelt. Das Highlight bildete hier die Vogelwand an der sich rund ein Dutzend Vögel befinden. Ihr Gesang lässt sich per Knopfdruck aktivieren – aktiviert sich allerdings auch nach längerer Ruhepause von selbst und untermalt den Besuch. Der letzte Raum deutet dann auf die Folgen menschlichen Handelns hin: Die Belastung der Böden  gefährdet den Erhalt der wertvollen Ressourcen. Hierzu gehört eine Installation bei der die Bedrohung in (chemischer) Buchstabenform vom Himmel fällt oder emporsteigt – eine Frage der Perspektive…

DSC05949.jpg

Der letzte Bereich, der sich mit dem Thema der Marsch auseinandersetzt, geht es neben der Landschaftsformung vor allem um Objektgeschichten sowie die Entwicklung der Ernährung der Bevölkerung. Auch Fragen der Ökologie und Sozial-geschichtliche Aspekte klingen zumindest an. Etwas verwirrend aber auch interessant ist der direkte Übergang zum klassischen Naturalien-Cabinett des 19. Jahrhunderts durch den die Unterschiede und damit auch Vorzüge heutiger Inszenierungsmöglichkeiten noch einmal klar hervortreten. Dieser Aspekt wird jedoch durch ein wenig abgeschwächt durch die etwas konturlose Präsentation der Schiffahrt sowie einiger Häuser. Während erstere sich an der Decke befinden und ihr Thema sich erst durch bewusstes Schauen erschließt, stehen die Häuser als Platten/Schichtenkonstruktion im Raum. Da inhaltlich nur geringer Zugang möglich ist, bleibt es in den meisten Fällen bei einer unreflektierten Kenntnisnahme.

DSC05928a-1250x837.jpg

Fazit

Das Fazit fällt insgesamt sehr positiv aus, doch mag der eine oder andere Besucher das Museum etwas unentschieden verlassen. So bleibt durch die vornehmlich gute und exemplarische Präsentation oft der inhaltliche Aspekt auf der Strecke – was vor allem bei historischen Aspekten auffällt. Sie bilden das illustre Spalier, einen Bühnenfaktor von nur mittelbarer Bedeutung.Ich schreibe dies in vollem Bewusstsein darüber, dass die Platzierung von subjektiven Zugängen (Einzelschicksale, Lebensgeschichten) in einem solchen Ausstellungskonzept natürlich schwierig ist. Ausgeschlossen kann sie jedoch nicht grundsätzlich wie das Vorhandensein so mancher (sehr unauffällig platzierter) Schubladen und Vertiefungselemente direkt in der gleichen Ausstellung.

Ein wenig schade ist, dass bei all der tatsächlich sehr unterhaltsamen Darstellung der verschiedenen Themen eine recht hohe Motivation beim Besucher erwartet wird, einzutauchen und sich mit den Medienstationen etc. auseinanderzusetzen. Ausgerechnet sie sind es, die am wenigsten Freude machen. Und man sieht Ihnen das Alter von mittlerweile 15 Jahren an – und auch ihren „Joker-Charakter“.

Betrachtet man die Ausstellung jedoch als Ausgangsort für eine weitere Beschäftigung mit Region und Thema, lohnt der Besuch in jedem Fall.

DSC05958a
Erosion durch Eisbewegungen

Sebastian Wehrstedt